Ein neuer Pilgerweg entsteht

Pilgern für die Erde
Ein Neuer Pilgerweg entsteht

Heute sind wir eine Pilgergruppe von sechs Personen.
Wir erkunden einen neuen Weg,
die übliche Route welche wir im Sommer gehen ist im Winter zu schattig und zu steil.

Meine Gedanken kreisen noch sehr um meine Arbeit,
versuche die Winterlandschaft, den frisch gefallenen Schnee,
die Lebendigkeit und Beseeltheit der Natur bewusst wahrzunehmen.
So wirklich will es mir nicht gelingen,
meine Gedanken, sie schweifen immer wieder ab,
aber es doch dies und jenes, das mich noch daran hindert,
mich voll und ganz diesem Moment hinzugeben,
oder anders gesagt, voll und ganz Pilger für die Erde zu sein.

Es ist ein ziemlich kalter Tag heute,
doch die Sonne wärmt uns doch etwas auf.
Die Luft ist erfrischend, sie füllt meine Lungen
und mehr und mehr lösen sich meine Gedanken auf.
Ich höre das Knirschen des Schnees unter meinen Schuhen
und spüre meinen eigenen Atem.
Ja nun spüre ich meinen Körper wieder mehr und mehr,
mein Blick wird WEITER.

Nun erinnere ich mich wieder, dass ich unterwegs bin,
zu einem heiligen Ort, um ihn zu ehren und zu nähren.
Nicht aus Eigennutz will ich das tun,
als Pilger für die Erde will ich mich bei Pachamama (Mutter Erde) bedanken
für das, was ich ständig von ihr erhalte.

Wir erreichen den Gipfel,
ein Aussichtspunkt mit einem wunderschönen Rundumblick auf tief verschneite Berge
Ein atemberaubender Anblick,
aber unser eigentlichen Ziel, der heilige Ort ist noch etwas entfernt.
Auf einem breiten Grat verlassen wir den ausgetretenen Weg
und folgen einem wenig begangenen Pfad.

Wir staunen über die wunderschönen Schneeskulpturen.
Der Wind hat hier am östlichen Grat wie ein Künstler
den Schnee auf die Bäume gemalt,
so dick hat er aufgetragen, als hätte er die weiße Farbe geworfen.

Nun erreichen wir den heiligen Ort mit der Apacheta (Steinschrein).
Die Spitze und zwei Steinvaras ragen gerade noch aus dem Schnee.
Nun befreien wir die Apacheta aus dem Schnee
und füttern sie mit Schnaps, wohlriechenden Likör und Blumen.
Unzählige Male habe ich nun schon einen heiligen Ort gefüttert
und immer wieder stelle ich fest,
wie befriedigend es sich anfühlt, einfach nur zu geben..
Ayni (heilige Wechselseitigkeit),
das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen wiederherstellen
Was für ein wunderschöner Anblick,
der heilige Ort scheint im wahrsten Sinne des Wortes aufzublühen.

Auf dem Rückweg wählen wir einen anderen Weg.
Noch mehr als vorher fühle ich mich eingetaucht in einen Zauberwald.
Ich fühle mich wie ein Kleinkind, das zum ersten Mal einen Winterwald bestaunt.
Wie einmalig diese Landschaft hier doch ist!
Ich blicke meine Pilgergefährten an
und sehe in ihren staunenden Augen, dass auch sie diesen Zauber wahrnehmen können.

Beim Auto wieder angekommen wollen wir nicht gleich wieder nach Haus fahren,
sondern wir wollen noch auf der nahen Hütte
etwas Warmes trinken und uns über unsere Erfahrungen beim Pilgern austauschen.
Ganz unterschiedlich waren die Ausgangssituationen,
doch den Zauber der Landschaft nach unserer Zeremonie hatten wir alle wahrgenommen.

Zum Abschied verabschieden wir uns noch mit einer Umarmung,
die jetzt weicher geworden ist.
Ja, beim neuen Pilgern für die Erde
können wir nicht nur unsere Beziehung zu Pachamama (Mutter Erde) erneuern,
sondern wir sind uns auch als gemeinsame Pilger etwas näher gekommen.

Vielleicht war das in diesem Maße möglich,
weil sich Pachamama (Mutter Erde) sich darüber gefreut hat,
dass wir heute einen neue Route begangen haben.
So viele heilige Ort mit noch viel mehr möglichen Wegen auf sie zu,
das Netz des Pilgerns für die Erde wird immer dichter
Auf dem Heimweg stellen wir uns noch vor,
wie schön es wäre, wenn Tausende auf diese Art pilgern würden,
welch eine Freude für Pachamama (Mutter Erde).

Ewald

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